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Michel Mayor im Video-Game

Die isländische Firma CCP arbeitet zusammen mit Michel Mayor, dem bekannten Exoplaneten-Astronom und Professor der Universität Genf, um eine neue Version von EVE Online zu lancieren, ein Video-Game, das Wissenschaft mit Unterhaltung verbindet. Das Ziel: Beim Bearbeiten echter, wissenschaftlicher Daten glauben Tausende von Spielern, sie würden die Galaxis erobern, während sie vor allem die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Astrophysik vorantreiben.

Galaktische Eroberung. (Bild EVE Online)

EVE Online ist ein Rollenspiel mit vielen Teilnehmern, «Massively Multiplayer Online Roll Playing Game» genannt oder abgekürzt «MMORPG». Die isländische Firma CCP, die das Spiel vor 13 Jahren entwickelt hat, will damit die enthusiastische Fangemeinde von intergalaktischen Video-Games mit der astronomischen Forschung verbinden. Zu diesem Zweck bietet CCP eine spannende Lösung an: Die Integration von echten astronomischen Daten ins Spiel. Über eine Schweizer Start-up-Firma in Monthey namens Massively Multiplayer Online Science (MMOS) bat CCP das Observatorium der Universität Genf um Lichtkurven von Instrumenten, die nach Transiten suchen. Wenn ein Planet vor seinem Stern hindurch läuft, verursacht er eine Mini-Sternfinsternis, Transit genannt. Die Abnahme der Sternhelligkeit aufgrund eines Transits ist messbar und liefert Informationen über die Existenz eines Planeten, seinen Durchmesser, seine Umlaufzeit, die Bewohnbarkeit, etc.

Die von Satelliten gemessenen Lichtkurven werden von Hundertausenden von Computern ausgewertet, die Transite zwar schnell und effizient entdecken, doch beim Erkennen von untypischen Transiten stossen diese an Grenzen. Für diese Aufgabe ist das menschliche Auge das beste Instrument. In Anwendung des Prinzips von «Citizen Science» beschloss CCP, EVE-Online-Spieler an der Auswertung von Transiten der Satelliten COROT und KEPLER zu beteiligen. Das Vorgehen ist einfach: Weil es bei EVE um galaktische Eroberungen geht, kann der Spieler plötzlich auf ein unbekanntes Planetensystem treffen und muss dann die Lichtkurven analysieren, um herauszufinden, ob und wie viele Planeten es im System gibt, wie gross sie sind und ob sie bewohnbar sind oder nicht. Ist die Analyse abgeschlossen, wird ihr Resultat mit demjenigen von anderen Spielern verglichen. Wenn mehrere Spieler den gleichen Schluss ziehen, wird die Information für weitere Untersuchungen ans Observatorium der Uni Genf übermittelt.

Die Spieldesigner stützen sich auf einen «Guru», der die Wissenschaft, die hinter der Analyse der Lichtkurven steckt, erklärt, so dass die Spieler wissen, wonach sie suchen müssen. CCP hat dieses Konzept bereits getestet und zwar anhand der Einführung des Projekts «Human Protein Atlas», wobei die schwedische Biologin Emma Lundberg erklärt, wie der Cyber-Spieler Proteine auf Fotos erkennen muss und warum dies für die Forschung wichtig ist. Michel Mayor, der 1995 den ersten Exoplaneten entdeckt hat, stellt sein Bild zur Verfügung, um den Spielern zu erklären, wie sie vorgehen sollen und was dies der Planetologie bringt.

Oper Reykjavik: Schauplatz des jährlichen Fan-Fests von EVE Online. (Photo zVg)

«Die grösste Herausforderung von ‚Citizen Science’ ist das langfristige Engagement», erklärt Attila Szantner, einer der Gründer von MMOC: «Diese Websites sind nur nützlich, wenn regelmässig Amateurforscher akquiriert werden können.» Mit EVE Online ist diese permanente Werbung nicht nötig, weil die Spieler mitmachen, ohne dass sie jemand dazu auffordert. EVE Online hat eine halbe Million Teilnehmer, 40’000 sind täglich 24 Stunden online – eine hart arbeitende und begeisterte Belegschaft, die einen Job ausführt, der mühsam oder sogar unmöglich sein kann, wenn er von einer kleinen Gruppe erledigt werden sollte.

Zur Lancierung des Spiels wird Michel Mayor die Grundlagen der Exoplaneten-Forschung erklären und über die wissenschaftlichen Erwartungen eines solchen Spiels diskutieren. Dazu wird er am Fan-Fest von EVE Online anwesend sein, das jedes Jahr Anfang April in der grossen Halle der Oper in Reykjavik stattfindet und von mehreren tausend Spielern besucht wird. Dann wird Michel Mayor in seiner Rolle als «Professor-Guru» gefilmt werden, so dass sein Avatar geformt und ins Spiel integriert werden kann.

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