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Astronomie im Portemonnaie

20-Franken-Note (Bild SNF)

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Sie «51 Pegasi» mit sich herumtragen. Der Name des Sterns, bei dem die Genfer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz 1995 einen Planeten entdeckten, steht auf der neuen 20-Franken-Note. Daneben eine zehnstellige Zahl – ein Schweizer Bankgeheimnis.

Auf den ersten Blick fällt die Hand auf, die auf der 20er Note ein Prisma hält, welches das Licht in verschiedene Farben auffächert – «in ein Spektrum», bemerkt David Ehrenreich, Professor an der Universität Genf und Mitglied des NFS PlanetS. Die Spektroskopie ist eines der wichtigsten Hilfsmittel in der Astrophysik. David Ehrenreich untersucht damit die chemische Zusammensetzung der Atmosphären weitentfernter Exoplaneten. Er freut sich über die astronomischen Sujets auf der 20-Franken-Note, darunter eine Erdkugel mit Sternenhimmel und der Stern 51 Pegasi, bei dem Michel Mayor und Didier Queloz erstmals einen Planeten aufspürten, der ausserhalb unseres Sonnensystems um einen sonnenähnlichen Stern kreist. «Es scheint, dass diese Banknote die Schweizer Exoplaneten-Erfolgsgeschichte erzählt», meint David Ehrenreich.

Wie haben es die Sterne auf den Geldschein geschafft, den die Schweizerische Nationalbank im Mai 2017 herausgegeben hat? «Auf der 20er Note steht das Licht im Zentrum», sagt Manuela Pfrunder, die mit der Gestaltung der neuen Banknotenserie beauftragt wurde: «Über dem Globus, welcher auf jeder Note als Sicherheitsmerkmal wiederkehrt, sind Sternenbilder abgebildet, sie verbinden Kultur und Licht auf eine sehr attraktive Weise.» Das Licht findet sich im Prisma wieder, aber auch in der Kartendarstellung auf dem Sicherheitsstreifen der Note. Hier galt es, eine Darstellung zu finden, welche sich über die Grenzen der Schweiz hinaus zieht und somit ein übergreifendes Thema darstellt, wie die Grafikerin erklärt. Nach ausgedehnten Recherchen fiel die Wahl auf eine Schweizer Karte, welche die Lichtemissionen bei Nacht in Form von blinkenden Kreisen zeigt. Kippt man die Note langsam nach hinten, erscheint die Lichtverschmutzung innerhalb der Schweiz in Regenbogenfarben.

Schweizer Entdecker von Exoplanet und dunkler Materie

Neben ausgestrahltem sollte auch eintreffendes Licht dargestellt werden: Eine Liste, die angibt, wie lange die Strahlung verschiedener Himmelskörper unterwegs war, bis sie auf der Erde eintraf. Unter den 14 Objekten befinden sich der Mond, die Planeten unseres Sonnensystems, der nächste Fixstern Proxima Centauri, das Milchstrassenzentrum Sagittarius A*, die kosmische Hintergrundstrahlung CMB, aber auch 51 Pegasi und ein weiteres Objekt mit Bezug zur Schweiz: den Coma-Galaxienhaufen «Galaxiae Comae Berenicis». Fritz Zwicky, in die USA ausgewanderter Schweizer Astronom, schloss 1933, dass die sichtbare Materie in diesem Galaxienhaufen bei weitem nicht ausreichte, um den Haufen zusammenzuhalten und prägte den Begriff «Dunkle Materie».

Wer traf diese interessante Auswahl an Objekten und aufgrund welcher Kriterien? Dies ist ein echtes Schweizer Bankgeheimnis. Denn die Schweizerische Nationalbank schreibt: «Die Fachexperten haben eine Geheimhaltungserklärung unterzeichnet und sich verpflichtet, nicht bekannt zu geben, dass sie bei der 9. Banknotenserie für Fachexpertisen hinzugezogen wurden.» Unbeantwortet bleibt denn auch die Frage, wer auf die originelle Idee kam, die Entfernung der Himmelskörper zur Erde in Lichtsekunden anzugeben. So steht bei 51 Pegasi «1 580 000 000s». Doch die Werte stifteten Verwirrung, denn aufmerksame Betrachter stellten fest, dass die angegebene Distanz zum Merkur kleiner ist als die Entfernung zur Venus.

In der Zeitschrift ORION der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft SAG hat Beat Bühlmann das Rätsel gelöst: «Die Distanzen von der Erde zu den Planeten verändern sich ja laufend. So kann angenommen werden, dass sich die ganze Auflistung auf ein ganz spezielles Datum bezieht», schreibt der Autor der SAG. Zusammen mit Vereinskollege Roland Stalder und SAG-Präsident Christian Wernli machte er sich an die Arbeit, um den Zeitpunkt ausfindig zu machen. Aufgrund der angegebenen Distanz Erde-Sonne errechnete ein Astronomieprogramm zwei mögliche Zeitfenster um den 8. November und den 24. Februar. Mit Hilfe der App SkySafari und den aufgeführten Distanzen von Merkur und Venus ergab sich als Resultat der 23. Februar 1987 um 8:52 MEZ, das die Schweizerische Nationalbank schliesslich bestätigte. «Doch was passierte an diesem Tag?» fragt der Autor in ORION: «Richtig! Die Neutrinos der Supernova 1987A erreichten nach einer Reise von rund 168’000 Jahren die Erde.» (bva)

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