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ESPRESSO

Professor Willy Benz, Direktor des NFS PlanetS. (Bild Alessandro Della Bella)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wie Sie in dieser Ausgabe des Observers lesen, haben wir uns von ESPRESSO verabschiedet. Das Instrument ist jetzt auf dem Weg zur Paranal-Sternwarte der ESO in der Nähe von Antofagasta in Chile. Dort wird es später im Jahr ins VLT eingebaut. ESPRESSO, dessen Entwicklung Francesco Pepe von PlanetS geleitet hat, ist das Nonplusultra der hochauflösenden, hochstabilen Spektrographen. Es wurde gebaut, um bei der Radialgeschwindigkeit eine zehnmal bessere Präzision zu erreichen als mit HARPS, der erfolgreichsten Planeten-Suchmaschine, die es bisher gibt.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen warten immer wieder gespannt auf neue, bahnbrechende Instrumente, da diese in der Regel eine Vielzahl neuer Entdeckungen ermöglichen und unser Verständnis der Natur einen Schritt weiterbringen. Aber warum wollen die Forschenden diese Instrumente selbst bauen, kann die Gemeinschaft doch über einen klar definierten Antragsprozess auf sie zugreifen, sobald sie in Betrieb sind?  Warum sich an einem Entwicklungsprojekt beteiligen, für das man eine grosse Finanzierungssumme finden muss, das zudem das Management eines internationalen Konsortiums erfordert und bei dem es komplexe Hardware- und Softwareprobleme zu lösen gilt (ganz zu schweigen von den unzähligen, schlaflosen Nächten, in denen man sich Sorgen macht)?

Meine Antwort lautet, dass die Forscher und Forscherinnen von Herausforderungen und Leistungen angetrieben werden. Am Anfang steht ihre Frustration, dass sie eine wichtige, wissenschaftliche Frage nicht beantworten können, weil ein geeignetes Instrument fehlt. Daraus folgt der Wunsch, alles Bestehende zu übertreffen, um in einer einzigartigen Position zu sein, die Frage zu beantworten. Das Ergebnis sind oft bahnbrechende, neue Instrumente, die existierende Technologien an deren Grenzen bringen oder sogar darüber hinaus.

Während die Leitung solch grosser, experimenteller Projekte mit unzähligen Schwierigkeiten verbunden ist, bringt der Erfolg eine enorme Belohnung mit sich, die alles überwiegt: Die privilegierte Kenntnis der Daten und den Zugriff darauf über einen längeren Zeitraum. Bei einer Weltraummission oder einem grossen Teleskop, wo die Zeit extrem kostbar und die Konkurrenz hart ist, bietet ein solcher Zugang einen echten Vorteil…

Bei PlanetS sind wir an einer Reihe von Hardware-Projekten beteiligt (ESPRESSO, NIRPS, ERIS, CHEOPS, PLATO, METIS, HiRES, um einige ihrer bizarren Akronyme aufzulisten…). Im Observer berichten wir regelmässig darüber. Jetzt wissen Sie, warum wir uns bei diesen Projekten engagieren: Nicht nur, weil wir schlaflose Nächte mögen (!), sondern weil wir frustriert sind, wenn wir wichtige, wissenschaftliche Fragen nicht beantworten können. Es ist der Weg der Forschenden, sich dieser Herausforderung zu stellen!

Mit den besten Wünschen,

Willy Benz
Direktor NFS PlanetS

Kepler-351
Mit einem fliegenden Teleskop ferne Welten aufspüren
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