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„Besteht eine Theorie unter Druck, dann ist sie gut“

Wenn der NASA-Wissenschaftsdirektor nach Bern kommt, dann ist er Garant für einen vollen Hörsaal. So war es auch am Dienstag, 21. August, als Thomas Zurbuchen ein Referat unter dem Titel „Am Ufer des Kosmischen Ozeans“ hielt.

Damit lehnte Zurbuchen an dieses bekannte Zitat des Astronomen Carl Sagans an:
“Die Oberfläche der Erde ist das Ufer des kosmischen Ozeans. An diesem Ufer haben wir das meiste von dem gelernt, was wir wissen. Kürzlich haben wir einen kleinen Ausweg gefunden, vielleicht knöcheltief, und das Wasser wirkt einladend.”

Thomas Zurbuchens Referat war ein grosser Überblick darüber, was bei der NASA in jüngster Vergangenheit und ganz aktuell an Raumforschung läuft. Aber er blickte auch auf seine persönliche Verbindung mit der Schweiz zurück. Zurbuchen ist nicht nur hier aufgewachsen. Er hat an der Universität Bern studiert, und er hat hier auch persönlich verschiedene Tests für bekannte Weltraummissionen durchgeführt. Für gewisse Instrumente der Sonnenforschungssonde SOHO zum Beispiel hat er in den Berner Labors Kalibrierungen vorgenommen. „Bern hat für Kalibrierungen mit Abstand die besten Labors“, rühmte Zurbuchen.

Heute kalibriert er keine Instrumente mehr. Als Wissenschaftsdirektor der NASA überblickt er eine Armada von Raumsonden. Vor wenigen Tagen war er etwa in Florida beim Start der Parker Solar Probe zugegen. „Die Parker Raumsonde in Verbindung mit der kommenden Mission Solar Orbiter ist ein perfektes Beispiel dafür, wie weit wir gehen können, wenn wir über traditionelle Grenzen hinweg zusammenarbeiten und erkennen, dass in der Wissenschaft nichts isoliert geschieht.“ Das Verstehen unseres eigenen Sterns führe zu einem erhöhten Bewusstsein und Verständnis für den Platz der Erde in unserem Sonnensystem, sowie für den Einfluss der Sonne auf Planeten in der Nähe und in der Ferne, bis hin zur Grenze unseres Sonnensystems.

Die Parker Solar Probe sei die erste Raumsonde, die nach einer lebenden Persönlichkeit benannt ist, erklärte Thomas Zurbuchen. „Der heute 91-jährige Eugene Parker hat Mitte der 1950er Jahre die Theorie des Sonnenwindes entwickelt. Dafür musste er damals viel Kritik einstecken. Später erwies sich seine Theorie allerdings als richtig.“ Sein Beispiel zeige, dass Forscherinnen und Forscher mit neuen Theorien manchmal einen grossen Druck aushalten müssen. „Wenn eine Theorie unter Druck Bestand hat, dann ist sie gut“, so Zurbuchen.

Ein ähnliches Beispiel sei auch die Entdeckung des ersten Exoplaneten durch die Schweizer Forscher Michel Mayor und Didier Queloz gewesen. „Als sie ihre Resultate der Öffentlichkeit präsentierten, habe es zuerst viel Kritik gegeben.“ Viele Forscher hätten argumentiert, dass ein solcher Planet gar nicht existieren könne. „Heute wissen wir, dass es eine Vielzahl unterschiedlichster Planeten gibt, und es werden immer mehr entdeckt.“ Damit sprach Zurbuchen die NASA-Raumsonde TESS an, die vor kurzem erste Testbilder geliefert hat. Und mit unüberhörbarem Stolz fügte er an: „Ich kann Ihnen verraten, dass TESS bereits einige neue Planeten gefunden hat.“

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