National Centre of Competence in Research PlanetS
Gesellschaftsstrasse 6 | CH-3012 Bern | Switzerland
  Tel. +41 (0)31 631 32 39

Leben und Arbeit in Balance

Ravit Helled ist Professorin an der Universität Zürich und Leiterin der Akademischen Plattform des NCCR Projekts PlanetS. Klicken Sie auf die kleinen Lupen in den markierten rechteckigen Bereichen ihres Büros, um mehr über ihr Leben als Wissenschaftlerin und Mutter zu erfahren. Um zurück zur Übersicht zu gelangen, klicken Sie auf „Show Full Image“ in der rechten oberen Ecke.

Show Full Image

Mein Arbeitstag

Ravit Helled


Meine Arbeitstage sind sehr unterschiedlich – an Tagen, an denen ich Vorlesungen halte, dominiert das Unterrichten den ganzen Tag, sowie den Tag davor mit Vorbereiten. Normalerweise haben wir einen wissenschaftlichen Gast pro Woche an unserem Institut und wenn die Person in meinem Gebiet arbeitet, treffen wir uns, besprechen unsere Forschung und ich besuche das Seminar. Die Seminare am späteren Nachmittag besuche ich nicht, weil ich dann meist schon wieder zu Hause bin. Wie man sieht, ist meine Wandtafel voller Wissenschaft (Skizzen und Gleichungen) und voller Familienfotos und Kinderzeichnungen – ich denke, das widerspiegelt das Gleichgewicht, das ich zu halten versuche.


Mein 10 Monate alter Sohn, Alexander, wacht so gegen 6.00 Uhr auf, dann verbringt entweder mein Ehemann, Harald, oder ich etwas Zeit mit ihm, normalerweise in der Küche. Danach trinke ich meinen ersten Kaffee. Um 7.00 Uhr wecken wir Mila, meine 10 Jahre alte Tochter. Sie isst ihr Frühstuck und verlässt das Haus meist um 7.40 Uhr. Ich mag diese Tageszeit, früh am Morgen - ich bin definitiv ein Morgenmensch. Wenn ich morgens aufstehe, bin ich voller Energie, aber dafür brauche ich genügend Schlaf – ungefähr 9 Stunden pro Nacht: Wahrscheinlich verschwende ich einen Grossteil meines Lebens mit Schlafen.
Ich mache mich danach für die Arbeit bereit, manchmal mit Alexander auf dem Arm. Ich versuche in dieser ‚freien‘ Zeit auch, das Wohnzimmer und die Badezimmer aufzuräumen und zu putzen. Wenn das Kindermädchen um 9.00 Uhr ankommt, gehe ich zur Arbeit. Da ich in der Nähe wohne, gehe ich zu Fuss.


Da ich bei der Arbeit meist sitze, habe ich einen speziellen, bequemen Bürostuhl. Ich bin üblicherweise um 9.15 Uhr im Büro. Manchmal lese ich meine Emails schon zu Hause, aber sonst ist das auch das erste, was ich im Büro mache: Ich überprüfe, ob ich dringende Emails habe oder andere Dinge, die erledigt werden müssen. Die erste Stunde im Büro ist normalerweise sehr ruhig und ich trinken einen weiteren Kaffee im Büro. Dann kommen Leute in mein Büro – meine Türe ist meist offen. Manchmal fühlt sich mein Büro wie ein Bahnhof an, mit Leuten die ein- und ausgehen. Ich mag es, in die Forschung meiner Gruppe involviert zu sein – ich bin interessiert und fühle mich auch verantwortlich und frage meine KollegInnen, wie ihre Arbeit läuft und ob sie Hilfe benötigen.


Ich habe das Gefühl, dass ich seit Jahren nicht wissenschaftlich gearbeitet habe, aber das ist wahrscheinlich nicht wahr. Die Art der Arbeit, die man macht, ist einfach anders während verschiedener natürlichen Phasen einer Karriere. Heutzutage schreibe ich weniger wissenschaftliche Artikel, mehr Review-Artikel, und ich berate meine DoktorandInnen und Postdocs bezüglich ihrer Papers manchmal mache ich auch selber kleine Berechnungen. Wenn andere Leute Forschung betreiben, habe ich das Gefühl, dass es schwieriger ist, die Intuition und das tiefere Verständnis für ein Thema zu haben, wenn man an so vielen Projekten gleichzeitig beteiligt ist. Aber ich mag es, in all diese Projekte involviert zu sein. Es ist mir wichtig, weil ich eben eine Wissenschaftlerin bin.


Ich habe immer viele Snacks um mich herum, auch zu Hause, aber normalerweise will die niemand essen. Ich gehe normalerweise nicht mit den anderen zum Mittagessen um 12.30 Uhr, weil es dann sehr voll ist, das Essen schlecht ist und ich eine langsame Esserin bin. Ich mag es nicht, wenn die anderen auf mich warten müssen. Meistens esse ich vor 12 Uhr ein Sandwich, aber ich esse über den Tag hinweg häufiger kleine Snacks. Ich esse viele Süssigkeiten – ich glaube, dass ich die Energie brauche, um die Dinge in Gang zu halten.


Letzten Monat habe ich einen Review-Artikel (mit T. Guillot) über das Innere von Riesenplaneten eingereicht. Er ist inzwischen zur Veröffentlichung akzeptiert worden. Er handelt von der inneren Struktur von Riesen- und Eisplaneten und wird als Kapitel zum Exoplanet Handbook hinzugefügt. Ich habe gerade auch einen anderen Artikel veröffentlicht im ApJL (mit D. Stevenson), und zwar über die ‚Fuzziness of giant planets‘ cores‘ (Unschärfe von Riesenplanetenkernen). Ich mag dieses Thema wirklich: die Entstehung, Evolution und innere Struktur und eigentlich alles, was mit Exoplaneten zu tun hat. Ich mag meine Arbeit wirklich sehr. Artikel zu rezensieren und Vorträge an Tagungen zu halten, ist sehr zeitintensiv und ich habe gelernt, nur Artikeln zu rezensieren, die meiner eigenen Forschung nahe sind und nur Review/eingeladene Präsentationen zu halten. Man muss lernen, nein zu sagen zu gewissen Dingen.


Am Nachmittag funktioniert mein Gehirn ab ca. 14 Uhr nicht mehr zuverlässig. Während ich morgens sehr energiegeladen bin, nimmt diese Energie am Nachmittag ab. Deshalb versuche ich dann Dinge zu erledigen, die weniger Konzentration brauchen, so wie den bürokratischen Papierkram.
Ich gehe kurz vor 16.00 Uhr nach Hause, zurück zu Mila und Alexander. Wir spielen ein bisschen, Mila kommt dann von der Schule heim, wir reden über ihren Tag, essen, und sie erledigt ihre Hausaufgaben, während ich das Abendessen zubereite. Harald kommt später abends nach Hause, meist bevor die Kinder schlafen gehen.

Exo-Erden bei Zwergsternen aufspüren
Astronauten besuchen das Genfer Observatorium
Kategorien: External Newsletter, Uncategorized

Comments are closed.