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Träume von einer anderen Welt

Die Entdeckung von sieben erdähnlichen Planeten bei einem kleinen, kühlen Stern machte weltweit Schlagzeilen. Wie könnte das sogenannte TRAPPIST-1-System aussehen? Die Frage beantworteten Wissenschaftler und eine Science-Fiction-Autorin an einer Veranstaltung der Universität Bern, organisiert vom Center for Space and Habitability (CSH) und PlanetS.

Das Podium (vlrn): Laurence Suhner, Brice-Olivier Demory, Yann Alibert und Zoë Lehmann (Bild Sylviane Blum)

«Exoplaneten-Forschung ist Teil der Geschichte der Schweiz», sagte Kevin Heng, Direktor des CSH. 1995 entdeckten Astronomen der Universität Genf den ersten Exoplaneten, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist. «22 Jahre später ist dies die zweite grosse Entdeckung», betonte Heng die Bedeutung des Funds. Das TRAPPIST-1-System ist so kompakt, dass sich sämtliche sieben Planeten – verglichen mit unserem Sonnensystem –innerhalb der Merkurbahn befinden würden. Eine wichtige Frage ist: Gibt es auf diesen Planeten Wasser? «Sie werden die Antwort innerhalb der nächsten fünf Jahre erfahren», ist der Astrophysiker überzeugt.

«Von einer Hypothese und Annahmen gelangen wir nun zu wirklichen Beobachtungen», sagte Brice-Olivier Demory, der zum Entdecker-Team gehörte: «Mit dem Hubble-Weltraumteleskop und künftig mit dem James-Webb-Weltraumteleskop haben wir die Chance, die Atmosphäre dieser Gesteinsplaneten zu erforschen, und können versuchen festzustellen, ob sie bewohnbar sind oder nicht.» Der Professor am CSH der Universität Bern bekam eine Menge Telefonanrufe und Mails zum Thema TRAPPIST-1-System und zwar nicht nur von Astronomen, sondern auch von Buchautoren und Wissenschaftlern anderer Gebiete wie Biologie oder Wirtschaft. «Es freut mich sehr zu sehen, dass die Astronomie mit dieser Entdeckung und der Suche nach Leben etwas ist, das universell geteilt wird», sagte er.

Diskussionen über das TRAPPIST-1-System an der Universität Bern. (Bild Sylviane Blum)

Laut Yann Alibert, Professor an der Universität Bern, sollten die TRAPPIST-1-Planeten reich an Wasser sein. Dies lässt sich zumindest aufgrund der Computerberechnungen vermuten, die der Astrophysiker im vergangenen Jahr durchgeführt hat. «Als Zutaten für unsere Computersimulationen nehmen wir physikalische Gesetze, wie beispielsweise die Massenerhaltung, sowie astronomische Beobachtungen», erklärte er. Als Resultat dieser Berechnungen ergab sich zudem, dass die Planeten bei kleinen, roten Sternen die Grösse der Erde aufweisen. «Dies überrascht nicht wirklich, weil die Masse, die es um diese Sterne gibt, nicht sehr gross ist», sagte Alibert. Er hofft, dass das TRAPPIST-1-System nur das erste einer Serie ist, die in naher Zukunft entdeckt werden. Dies könnte ein wichtiger Test für die Theorie der Planetenentstehung sein.

Astronaut Claude Nicollier und Science-Fiction-Autorin Laurence Suhner. (Bild Sylviane Blum)

Zoë Lehmann vom Departement of English an der Universität Bern betonte, dass die Entdeckung dieser Exoplaneten nicht nur für die Wissenschaft spannend ist: «Sie ist auch aus kultureller Sicht wichtig.» In Science-Fiction und Wissenschaftsphilosophie wird breit diskutiert, was es hiesse, wenn die Erde kein einzigartiger Planet wäre, sondern einer von Tausenden oder Millionen ähnlichen. Das wäre ein grosser Unterschied, wenn es um die Frage geht: Wer sind wir Menschen auf diesem Planeten? «TRAPPIST-1 ist ein messbares Beispiel, das einen Schritt näher führt, zu wissen, was die Antwort darauf sein könnte», sagte Lehmann.

Eine mögliche Antwort gab an der Veranstaltung in Bern Laurence Suhner, Science-Fiction-Autorin. Einer der Wissenschaftler aus dem TRAPPIST-1-Team fragte sie schon im vergangenen Jahr an, ob sie über das erstaunliche Planetensystem schreiben möchte. Ihre Kurzgeschichte wurde in der gleichen Ausgabe des Magazins «Nature» veröffentlicht wie die wissenschaftliche Arbeit über die Entdeckung. «Ich arbeite gern eng mit Wissenschaftlern zusammen und versuche eine Welt zu erschaffen, die möglicherweise existieren könnte», sagte sie. Aufgrund der Gezeitenkräfte wenden die TRAPPIST-1-Planeten immer die gleiche Seite ihrem Stern zu wie der Mond der Erde. Der Wissenschaftler schlug Laurence Suhner vor, sich die graue Zone zwischen Tag und Nacht vorzustellen, im Fachjargon «Terminator» genannt. «Natürlich ist dies Fiktion, aber es ist nahe an der Realität», sagte die Autorin. Hören Sie sich einen Auszug aus der Geschichte an:

Die ganze Geschichte „The Terminator“ sowie die Vorträge und Diskussionen der Wissenschaftler finden Sie auf dem Podcast der Veranstaltung vom 9. März 2017.

Forschung aus Neugier
Eine neue Epoche für Planetenforschung
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