National Centre of Competence in Research PlanetS
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Wie Astronomen arbeiten

Forscher blicken heute nicht mehr direkt durchs Teleskop an den Nachthimmel. Machen Sie einen interaktiven Besuch im Büro von Michael Meyer, Professor an der ETH Zürich und Mitglied von PlanetS. Klicken Sie auf das Lupen-Symbol bei den verschiedenen Gegenständen im Bild und finden Sie so heraus, welche Werkzeuge heute kreative Forschung ermöglichen. Tip: Um wieder das gesamte Bild anzuzeigen, oben rechts auf “Vollbild anzeigen” klicken.

Was uns der "Kometenplanet" erzählt
CHEOPS aus dem 3D-Drucker
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Mein Arbeitstag

Michael Meyer


Ich bringe meine Tochter am Morgen zur Schule und bin normalerweise um 8.30 Uhr an meinem Pult.

Oft gehe ich in ein Kaffee, sitze dort und arbeite eine Stunde lang in meinem Forschungsnotizbuch, bevor ich ins Büro komme, wenn ich wirklich etwas in Gang bringen will. Wenn ich im Büro bin, beginne ich, Emails durchzusehen und um 9 oder 9.30 Uhr erstelle ich eine Liste mit den 3 oder 4 wichtigsten Prioritäten. Dann versuche ich, diese bis zum Abend zu erledigen. Das gelingt mir häufig nicht – oder gar nie.

Um 17 Uhr verlasse ich das Büro. Auf der anderen Seite des Raums hängt ein Bild, das Sie nicht sehen können. Es zeigt meine Tochter, die mit erhobenem Finger und strenger Mine sagt: „Ab 17 Uhr ist geschlossen.“ Um 17 Uhr hole ich meinen Sohn in der Krippe ab.

Telefon für Konferenzschaltung

Ich nehme wöchentlich an 3 bis 4 Telefonkonferenzen teil. Die Teilnehmer können sich am Ende des Ganges oder irgendwo auf der Welt befinden.

Wir beteiligen uns in unserer wissenschaftlichen Arbeit zunehmend an grossen Projekten. Deshalb kann eine einzelne Institution nicht die Ressourcen beschaffen, die es brauchen würde, um ein Instrument zu bauen, das wir alle haben möchten. Deshalb bilden wir eine grosse Gruppe, von der wir hoffen, dass das Ganze mehr bringt als die einzelnen Teile. Zumindest reichen die Mittel für Investitionen in grössere Infrastrukturen. Das erfordert Koordination, Organisation und Zusammenarbeit über Institutionen und nationale Grenzen.

Poster an der Wand

Es stammt von einer Tagung, zu der ich in meinem dritten Jahr als Doktorand ging, ein Jahr vor dem Abschluss. Die Konferenz war wichtig in meinem Forschungsgebiet über Scheiben um junge Sterne. Mein Doktorvater war einer der Organisatoren und einer der eingeladenen Redner, aber er hatte kein Forschungsgeld zur Verfügung, um mich zu dieser Tagung in Heidelberg zu schicken. Ich musste die Reise von den USA dorthin selbst bezahlen. An dieser Konferenz lernte ich den Direktor des Instituts kennen, ich präsentierte meine Arbeit, er interessierte sich dafür und wir unterhielten uns ziemlich lange. Als ich später eine Stelle als Postdoc suchte, schickte ich ihm meinen Lebenslauf und einen Brief und fragte nach einem Job, obwohl gar keiner ausgeschrieben war. Er kannte mich und meinen Doktorvater und bot mir eine Stelle an. Dies war das einzige Stellenangebot, das ich bekommen habe. Wenn ich es nicht erhalten hätte, wäre ich wahrscheinlich für ein zusätzliches Jahr als Doktorand in den USA geblieben.

Dokumente auf dem Tisch

Das ist ein Stapel von Papieren, die ich gelesen habe oder Dokumente, die ich ausgedruckt und gelesen oder nicht gelesen habe – darunter Verträge, Anträge, Empfehlungsschreiben. Ich bin sicher, dass sich zuunterst Dinge befinden, die aus der Zeit vor sechs Jahren stammen, als ich hierher kam.

Als junger Wissenschaftler war ich dafür berühmt, einen extrem aufgeräumten Arbeitsplatz zu haben. Jeden Abend sorgte ich dafür, dass kein Stück Papier mehr auf meinem Pult lag.

Aber in der Mitte meiner ersten Fakultätsstelle an der Universität von Arizona und zwei Jahre später, als ich begann, ein grosses Projekt für das Spitzer-Weltraumteleskop zu leiten, wurde es irgendwie unhaltbar, sich mit jedem einzelnen Stück Papier zu befassen. So entstand eine kleine Beige auf der linken, oberen Ecke meines Pultes. Sie wuchs und wuchs und alle sechs Monate schaute ich sie durch.

Ich entwickelte die Gewohnheit, dort eine Beige anzuhäufen. Und jetzt an der ETH haben sich die Dinge so beschleunigt, dass ich die Situation nicht mehr in den Griff kriege. Das gilt auch für die Emails. Ich habe ungefähr 50 GB Emails.

Computer

Für die meisten Wissenschaftler in der Astrophysik oder Planetenforschung ist dies eines der wichtigsten Werkzeuge, egal ob sie im Labor, auf theoretischem Gebiet oder als Beobachter arbeiten oder Berechnungen machen.

Ich schreibe immer noch viel von Hand in ein Forschungsnotizbuch. So mache ich meine kreativste Arbeit – eine Art Berechnungen auf der Rückseite eines Umschlags in meinen Notizbüchern – da bin ich besonders aktiv.

Familienfotos

Die Fotos meiner Familie erinnern mich an die wichtigsten Dinge und wie man ein Gleichgewicht halten kann zwischen Engagement, Bedürfnissen und Wünschen im Zusammenhang mit einer gesunden, glücklichen Familie und den beruflichen Erfordernissen. Das ist hart, wenn man um 16.30 Uhr mitten in etwas drinsteckt und plötzlich ist es 17 Uhr und man muss eines seiner Kinder abholen. Man kann seine Arbeit nicht beenden, obwohl man weiss, dass es doppelt so lange brauchen wird, wenn man an einem anderen Tag wieder neu anfangen muss. Aber für mich ist es wichtig zu wissen, dass die Familie zuerst kommt.

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